Ethos
Das griechische Wort Ethos ( êthos ἦθος, abgeleitet von éthos_ ἔθος) hängt sprachgeschichtlich mit dem Wort Ethik zusammen, bezeichnet allerdings die moralische Grundhaltung, den Charakter bzw. die Gesinnung eines Menschen oder einer Gemeinschaft.
Die Funktion des Wortes wird deutlicher, wenn man sie im Verbund sieht mit zwei weiteren Begriffen der antiken Rhetorik, nämlich Pathos und Logos. "Pathos" entspricht dem, was wir heute unter "Rhetorik" verstehen, also die Fähigkeit durch rednerisches Geschick zu überzeugen. "Logos" überzeugt durch Verstand und vernünftige Nachvollziehbarkeit. Die Kraft des "Ethos" kommt dagegen aus moralischer Integrität und Glaubwürdigkeit.
Im Unterschied zu "Moral" betont Ethos betont stärker das, was „man“ tut: die in einer Kultur, d.h. einer Gesellschaft, Gemeinschaft oder Gruppe, verbreiteten und geachteten moralischen Vorstellungen. Wer dagegen verstößt, wird Missachtung der Umwelt erfahren. Moral betont dagegen eher die Teilnehmerperspektive handelnder „Ichs“. Im Rahmen einer Polizeikultur wäre das Berufsethos von Polizistinnen und Polizisten das, was das berufliche Selbstverständnis und die moralischen Vorstellungen und Haltungen innerhalb der Berufsgruppe auszeichnet. Natürlich spielen hier auch Vorstellungen der gesellschaftlichen Umwelt mit hinein, aber auch moralische Überlegungen, wie eine Polizistin oder ein Polizist sein sollte (vgl. die „Leitsätze einer neuen Polizeikultur“ in Behr 2006, S. 189–191).
Angelegt 26-03-12
Zuletzt gepflegt 26-03-12