Idealtyp
„Idealtyp“ (oder: Idealtypus) ist ein vom Soziologen Max Weber eingeführter, methodisch-analytischer Begriff : „Ideal“ meint dabei eine zu konstruierte Idee, unabhängig davon, ob so ein Idealtypus real existiert. Es geht also nicht um einen Begriff der Ethik, der ein moralisches "Ideal" im Sinne von "gut" oder "erstrebenswert" formuliert. Bei der Konstruktion eines Idealtyps werden bestimmte Merkmale eines Phänomens so überzeichnet, dass der Idealtyp in der Realität zwar so nirgendwo vorkommt, aber eine möglichst eindeutige Zuordnungen ermöglicht.
Drei Beispiele mögen dies verdeutlichen:
- In der Kriminologie können Tätertypen etwa nach Persönlichkeit, Motiv, Modus Operandi, oder sozialem Hintergrund systematisiert werden. Die Rede ist dann vielleicht vom Gelegenheitstäter oder vom jugendlichen Intensivtäter. Diese Typen beschreiben keine realen Individuen, sondern bündeln analytisch relevante Merkmalskombinationen, um Fahndungsstrategien, Lagebilder oder Fallklassifikationen zu strukturieren. Ein Problem entsteht dann, wenn die Idealtypen als reale Beschreibungen missverstanden werden und gängige Stereotype reproduzieren.
- Einsatzlagen können idealtypisch konstruiert werden: Geiselnahme, Entführung, Amoklauf, Terroranschlag. In Aus- und Fortbildung sowie der Einsatzlehre helfen diese Typologien, um Dienstvorschriften, Einsatztaktiken und Führungshandeln an ihnen zu entwickeln und zu erproben. In der Alltagssprache weicht das Verständnis solcher Lagen von polizeitaktischen Redeweisen ab, aber der Sinn solcher Konstruktionen ist, angepasst auf unterschiedliche Lagen zu reagieren.
- Die Unterscheidung von Cop Culture und Polizeikultur greift auf idealtypisierende Beschreibungen zurück. Das kann helfen, Differenzen zwischen polizeilichem Verhalten auf der Straße und dem offiziellen Selbstverständnis der Organisation Polizei zu erfassen.
Angelegt 26-04-04
Zuletzt gepflegt 26-04-04