Moral und Ethik
Die Wörter "Moral" und "Ethik" haben von ihrer Grundbedeutung her eine ähnliche Bedeutungsbreite: Gewohnheit, Sitte, Brauch, Anstand, Charakter ... Der offensichtlichste Unterschied ist, dass "Ethik" aus dem Altgriechischen kommt, "Moral" dagegen aus dem Lateinischen. Oft findet sich die adjektivische Dopplung "ethisch-moralisch", wobei in der Regel unklar ist, diese Dopplung austragen soll.
Nicht einmal in der Fachliteratur kann man sich sicher sein, was die Begriffe bezeichnen. Manchmal werden "Moral" und "Ethik" synonym verwendet, manchmal bezeichnen die Begriffe unterschiedliches. Beides kann in ein und demselben Text begegnen.
Auch wenn "Ethik" und "Moral" von ihrem sprachlichen Ursprung her ähnliches bedeuten, wird in den Wissenschaften aber oft der Unterschied genutzt, um Unterschiedliches zu benennen. Von dieser Möglichkeit haben bereits die Römer Gebrauch gemacht, als sie griechisches Denken und griechische Fremdwörter übernahmen. Sprach- und Ideengeschichtlich ist das sehr verwickelt. Sehr verkürzt lässt sich das so darstellen:
- Die Griechen (namentlich Aristoteles) sprachen von éthos (ἔθος = Gewohnheiten, Brauch) und êthos (ἦθος = Charakter, Gesinnung) – nutzten also zwei Wörter, die sich in Schreibweise und Klang nur in einem kleinen Detail unterscheiden: ein kurzes é und ein langes ê. Beide Wörter dienten als Grundbegriffe in der philosophischen Beschäftigung mit Fragen der Praxis. Es ging darum, vernünftige Antworten zu finden, was das gute Leben und das richtige Handeln auszeichnet. Als Begriff für diese philosophische Disziplin prägte Aristoteles das Wort êthikē (ἠθική). Ziel dieser Ethik war, den Gemütszustand der "Glückseligkeit" (Eudämonie) zu erreichen. Als Weg dahin galt, tugendhaftes Denken und Handeln einzuüben.
- Die Römer (namentlich Cicero) konnten die éthos/êthos-Unterscheidung nicht ins Lateinische übertragen und verwendeten dafür das eine Wort mos (pl.: mores). Für das Wort êthikē führten sie das Kunstwort moralis ein, als Begriff für Moralphilosophie (philosophia moralis). Spätere Autoren (z. B. Seneca) haben das Lehnwort ethica gleichbedeutend mit moralis verwendet.[1].
Heute gibt es zwei hauptsächliche Verwendungsweisen:
- Ethik als Theorie der Moral (bzw. Moralphilosophie) und Moral als Gesamtheit von Normen und Werten einer Gemeinschaft
- Ethik behandelt Fragen des guten Lebens, Moral Fragen des richtigen Handelns
Angelegt 26-03-10
Zuletzt gepflegt 26-05-14
- Ausführlicher lässt sich das u. a. im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache nachschlagen.↩︎