Bell-Book-Candle

Bell-Book-Candle (BBC) ist ein einfaches Modell ethischer Entscheidung, auf das in polizeilichen Kontexten gerne verwiesen wird (vgl. Alberts u.a. 2003, S. 48; Wagener 2024, S. 281), weil es alltagspraktisch einsatzbar ist. Andrew West (2008, S. 16; eigene Übersetzung) beschreibt das Modell folgendermaßen:

„1. Höre auf die Glocken, die dich vor einem ethischen Problem warnen (die ‚Glocke‘).
2. Prüfe, ob es Gesetze, Vorschriften oder Regeln gibt, die deine Optionen einschränken (das ‚Buch‘), und
3. Wie wird deine Entscheidung im Licht der Öffentlichkeit erscheinen? Könnte eine vernünftige, unvoreingenommene Person zu dem Schluss kommen, dass du dich unangemessen verhalten hast? (die ‚Kerze‘).“

Die Glocke (bell) lässt sich als „Bauchgefühl“ zu deuten, das eine Reflexion zu einer erwogenen Handlung einleitet. Es sind deutlich moralische, individuelle Erwägungen, die auf Kodizes und Meinungen der Umwelt Bezug nehmen. Ethische Konzeptionen spielen hier (noch) keine Rolle und das Ergebnis wird zumindest eine moralische Intuition im Sinne einer Handlungstendenz sein (siehe auch Moralische Gefühle).

Das „BBC“-Modell ermöglicht auch in Situationen mit hohem Entscheidungsdruck ein kurzes Innehalten, das auf eine moralische Empfindung reagiert, bevor eine möglicherweise folgen- und weitreichende Entscheidung getroffen wird. Es ist insofern Ausdruck individueller, moralischer Urteilskompetenz, als es ein Urteil nach Kriterien der Vernunft zu fällen erlaubt, d. h., selbstständig zu begründbaren Urteilen und letztlich Entscheidungen zu kommen, bei denen affektiv-emotionale, kognitiv-rationale und entscheidungs- bzw. handlungsbezogene Aspekte ineinandergreifen.