Moralische Gefühle
In moralischen und ethischen Argumentationen und im Kontext ethischer Urteilsbildung kann in unterschiedlicher Weise auf Gefühle, Emotionen, Empfindungen Bezug genommen werden. Zwei Positionen, die das sehr unterschiedlich tun, sind der non-kognitivistische Emotivismus und der kognitivistische Sentimentalismus.
Die Fragen nach moralischen Gefühlen ist mit einer alten ethischen Streitfrage verbunden, in welchem Verhältnis Gefühl und Vernunft zueinanderstehen. In der zeitgenössischen, empirisch-deskriptiv arbeitenden Moralpsychologie wird teilweise der Versuch unternommen, beides zusammenzudenken. In Anlehnung an die Unterscheidung eines schnellen, emotionalen und eines langsamen, rationalen Denkens in der Dual Process Theory (im Anschluss u. a. an Kahneman 2017) wird dabei für die Ethik ein Zusammenspiel von Gefühl und Vernunft angenommen (vgl. Ayan 2017). Danach können moralische Empfindungen ein Urteil initiieren, das sich einerseits in der Reflexion argumentativ vor sich und anderen begründen lässt, andererseits auch zum moralischen Handeln motiviert.
Hier zeigt sich ein enger Zusammenhang von moralischen Gefühlen, Emotionen und Intuitionen. Sie entstehen, so Birnbacher (2011, S. 117) eher spontan, entziehen sich einer bewussten Kontrolle und sind noch vorläufige Urteile: Sie drücken eine Urteilstendenz aus. Während moralische Gefühle und Emotionen aber ein noch vorreflexives Gespür darstellen („Bauchgefühl“), ist moralische Intuition durchaus reflektiert.