Ethische Urteilsbildung

In der Angewandten Ethik, insbesondere in der Organisations- und Wirtschaftsethik, spielen strukturierte Prozesse der ethischen Entscheidungsfindung eine große Rolle. In ihnen tritt die Ebene individueller ethischer Entscheidungen in den Hintergrund und ins Zentrum rücken Entscheidungsprozesse auf der Institutions- und Organisationsebene. Ethische Urteilsbildung ist hier kein spontaner Akt, sondern ein methodischer, schrittweiser Vorgang.

Die in der Wirtschaftsethik aus den Sozialwissenschaften entlehnte Unterscheidung einer Mikro-, Meso- und Makroebene lässt sich hier gut auf die Polizei als Organisation übertragen (vgl. Neuhäuser 2011, S. 162). Die Makroebene sind die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, innerhalb derer polizeilich-organisationales Handeln stattfindet. Auf der mittleren Ebene setzt die Polizei sich mit ethischen Fragestellungen auseinander, die sie als Organisation selbst betreffen. Die Mikroebene sind die individuellen Entscheidungen, die PVB oder Führungskräfte treffen müssen.

Ein einfaches und einprägsames Schema insbesondere für die Mikoo-Ebene individueller Entscheidungen bietet das Modell „Bell-Book-Candle“ (BBC). Deutlich komplexer und für die Meso-Ebene organisationaler Entscheidungen gedacht ist das fünf-schrittige Modell ethischer Entscheidungsfindung von Bleisch u.a. (2021).