Gewissen
Gewissen steht für das moralische Bewusstsein einer Person. Es verweist auf die Vorstellung, dass Menschen eine Art intuitives Wissen darüber haben, was gut und richtig ist. Metaphern, die dies ausdrücken, sind die "innere Stimme" oder der "moralische Kompass". Das Bewusstsein davon, entgegen dieser moralischen Intuition gehandelt zu haben, äußert sich im "schlechten" Gewissen.
Moralisches Mitwissen
Gewissen ist die deutsche Übertragung eines antiken Begriffs, der wortwörtlich "Mitwissen" bedeutet (gr. συνείδησις/syneídēsis; lat. conscientia). Der deutsche Begriff "Gewissen" wurde vermutlich durch Martin Luthers Bibelübersetzung geprägt. Luther hat damit Überlegungen von Paulus wiedergegeben, Menschen seien "Mitwisser" des göttlichen Wissens von gut und böse und sie würden sich im Handeln daran orientieren (z. B.: Röm 2,15). Vergleichbare Überlegungen gibt es in der antiken Philosophie.
Gewissensfreiheit
Verbunden mit diesem individualistisch gedachten Gewissensbegriff ist die Rede von der Gewissensfreiheit als Orientierung an persönlichen Wertmaßstäben, die sich von gesellschaftlichen oder gruppenbezogenen Werten unterscheiden können. Das heißt: Auch wenn das soziale Umfeld bestimmte Handlungen und Ansichten für moralisch unproblematisch hält, können Einzelne gegen die Mehrheitsmeinung ihr Gewissen als Argument anführen, warum sie ein Handeln für untragbar halten und beispielsweise einer Anordnung nicht Folge leisten (vgl. dazu Remonstration).
Angelegt 26-03-28
Zuletzt gepflegt 26-03-28