Big Three

Big Three ist ein oft gebrauchter Ausdruck zur Systematisierung ethischer Ansätze. Es ist unklar, woher die Bezeichnung kommt. Zu den Big Three zählen Deontologie, Teleologie (oder Konsequentialismus) und Tugendethik.
Dahinter steckt eine interessante Begriffsgeschichte, die im 18. Jahrhundert mit dem Begriff "Teleologie" beginnt, im 19. Jahrhundert um "Deontologie" erweitert und im 20. Jahrhundert um die (wiederentdeckte) Tugendethik ergänzt wird. Dabei haben die Begriffe ursprünglich nicht unbedingt die Bedeutung, die sie heute haben.

Teleologie, Deontologie ...

Der Begriff "Teleologie" wurde um 1728 vom deutschen Philosophen Christian Wolff als Oberbegriff eingeführt für verschiedene naturphilosophische Überlegungen, dass alles, was existiert, auf ein Ziel hin orientiert ist (τέλος télos = Ziel, Zweck). Immanuel Kant nimmt den Begriff als Zwecklehre auf, wo er eine Rolle in seiner Natur-, Geschichts-, aber auch Moralphilosophie spielt. In Kants Ethik verweist die Teleologie allerdings auf Glückseligkeit als das höchste Gut, woraus Kant auf die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit schließt.
Auch "Deontologie" ist ein Kunstwort, das um 1834 interessanterweise von Jeremy Bentham eingeführt wurde, einem der Begründer des Utilitarismus, der darunter eigentlich sein eigenes Ethikverständnis fasste: Deontology meint bei Bentham soviel wie die Lehre vom richtigen Handeln zur Maximierung von Glück.
In den 1930er Jahren nutzte der brit. Philosoph C. D. Broad (1930) den Begriff zur systematischen Unterscheidung von Ethiken: Geht ein Ansatz von der Pflicht aus und leitet davon Werte ab, schlägt Broad vor von "Deontologie" zu sprechen. Teleologische Ansätze setzten dagegen bei Werten an und leiten davon Pflichten ab. Vorher hat Broad sich mit fünf Ethikern befasst,[1] ordnet diese Ansätze aber nicht eindeutig einer Seite zu. Deontologie und Teleologie sind eher so etwas wie Idealtypen. Trotzdem war Broads Vorschlag folgenreich: Viele Ethikeinführungen unterscheiden bis heute zwischen beiden und ordnen z. B. Kant der deontologischen Seite und Bentham der teleologischen Seiten zu.

... und Tugendethik

Als ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Tugendethik von Aristoteles als Ethikansatz wiederentdeckt wird, kommt ein dritter Ansatz dazu (man spricht von "neoaristotelischer Ethik").[2]. Dass auch Kants Ethik eine Tugendlehre enthält, wird dabei meist unterschlagen.
Einige Autoren von Einführungs- und Überblickswerken (z. B. Frankena 2017; Düwell u.a. 2011) bleiben allerdings bei der Zweiteilung von Deontologie und Teleologie, weil sie der Meinung sind, dass die Tugendethik ja auch ein Telos, ein Ziel hat, nämlich das gute Leben. Da das aber eine andere Art von Ziel ist als z. B. der Utilitarismus, der auf die Handlungsfolgen schaut, ersetzen einige "Teleologie" durch "Konsequentialismus", so dass manchmal als Big Three Deontologie, Konsequentialismus und Tugendethik genannt werden. Meist wird dies sehr vereinfachend mit Kant, Utilitarismus und Aristoteles gleichgesetzt (und leider auch für manche Hausarbeit schematisch eingesetzt).


  1. Baruch de Spinoza, Bishop Joseph Butler, David Hume, Immanuel Kant, Henry Sidgwick.↩︎
  2. Vertreter:innen sind Elizabeth Anscombe, Alasdair MacIntyre und Philippa Foot↩︎