Werte

Werte stehen für die Maßstäbe, anhand derer Normen und Handlungsfolgen beurteilt werden können. So selbstverständlich für unsere heutigen Ohren die Rede von „Normen und Werten“ auch sein mag: Als ethischer Begriff ist „Wert“ erstaunlich jung und in der akademischen Philosophie durchaus umstritten.
Eingeführt wurde der Wert-Begriff als moralphilosophischer Komplementärbegriff zur naturwissenschaftlichen Konzentration auf „Fakten“. Der Philosoph Hermann Lotze hat den Begriff Mitte des 19. Jahrhunderts von der Ökonomie entlehnt und zusammen mit dem Begriff der Geltung in die Philosophie übertragen (vgl. Gethmann 2023, S. 84–89; Schmauke 2012).

Die Einwände gegen eine Wertethik bzw. Wertelehre (auch Axiologie genannt; von. gr. ἄξιος axios = Wert) betreffen hauptsächlich einen idealtypischen Wertethiker, der von der Wirklichkeit einer stabilen Wertehierarchie ausgeht und sich in seinem Handeln daran orientiert. Tatsächlich haben entsprechende Hierarchisierungs- oder Gruppierungsversuche oft etwas Willkürliches. Als Metapher kann die Rede von Werten aber dennoch plausibel sein, denn in der Ich-Perspektive greifen wir in unseren moralischen Urteilen auf subjektive Bewertungshierarchien zurück. Genau das kennzeichnet die Orientierung an Werten: Ein Subjekt bewertet Handlungen nach einer relativen Wertehierarchie vom „Schlechteren“ zum „Besseren“ bis zum „Besten“. Gut ist jene Handlung, die einen höheren oder den höchsten Wert realisiert. Ein Vertreter einer (sogar objektiven) Werteethik ist Max Scheler.


Angelegt 26-04-04
Zuletzt gepflegt 26-04-04