Werte

Werte stehen für die Maßstäbe, anhand derer Normen, Handlungsfolgen und Tugenden beurteilt werden können. So selbstverständlich für unsere heutigen Ohren die Rede von „Normen und Werten“ auch sein mag: Als ethischer Begriff ist „Wert“ erstaunlich jung und in der akademischen Philosophie durchaus umstritten.
Eingeführt wurde der Wert-Begriff als moralphilosophischer Komplementärbegriff zur naturwissenschaftlichen Konzentration auf „Fakten“. Der Philosoph Hermann Lotze hat den Begriff Mitte des 19. Jahrhunderts von der Ökonomie entlehnt und zusammen mit dem Begriff der Geltung in die Philosophie übertragen (vgl. Gethmann 2023, S. 84–89; Schmauke 2012). Populär gemacht hat den Begriff Friedrich Nietzsche mit seiner Rede von der "Umwertung aller Werte". Allerdings hat sich auch der sog. Neukantianismus und die Phänomenologie um 1900 mit Wertfragen befasst und Werttheorien und -lehren (Axiologie) entwickelt. Eine ausdrückliche Wertethik ist durch die Phänomenologen Max Scheler und Nicolai Hartmann entwickelt worden.