Polizeiethik
Über Polizeiethik zu reden wirft gleich am Anfang auf einige Fragen auf:
So etwas wie Ethik
Trappe u.a. (2026, S. 197) äußern die These:
"Was 'die' Polizei in 'so etwas wie Ethik' sucht, ist eigentlich: Moral."
Die Wendung "so etwas wie Ethik" soll dabei ausdrücken, dass "Ethik" in der Polizei eher ein weites Feld bezeichnet und nicht im Sinne eine fachwissenschaftlichen Terminus verstanden wird. Was dagegen mit "Moral" gemeint ist, bleibt allerdings unscharf. Möglicherweise sind polizeispezifische "Herausforderungen polizeilichen Handelns (und Unterlassens)" sowie "moralische Haltungen bzw. Überzeugungen" (S. 194) gemeint (vgl. Schiewek 2008). Dass Ethik in der Polizei aber eine weite und durchaus ambivalente Bedeutung hat, ist aber ein wichtiger Befund, den die Formulierung "so etwas wie Ethik" gut auf den Punkt bringt.
Auf diesen Seiten wird Ethik in einem etwas engeren Sinne gebraucht. Oft wird in der Ethik noch einmal systematisch unterschieden zwischen Allgemeiner Ethik und Angewandter Ethik. Nach dieser Systematik gehört die Polizeiethik zur Angewandten Ethik. Allerdings stellt Polizeiethik ein interdisziplinäres Feld dar, das sich je nach Perspektive unterschiedlich darstellt: Neben der Philosophie wären z. B. zu nennen Soziologie, Psychologie, Rechtswissenschaften, Geschichtswissenschaften oder Politikwissenschaften.
Mindestens drei Ebenen lassen sich unterscheiden:
- Mikroebene: Polizeiethik begegnet in Form polizeilicher Berufsethik bzw. Professionsethik. Dabei geht es oft um Fragen der beruflichen Praxis von einzelnen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten.
- Mesoebene: Polizeiethik ist aber auch Organisationsethik. Der Schwerpunkt liegt hier auf der ethischen Betrachtung der Organisation bzw. Institution. Als Unterbegriffe ließen sich noch die Spezialisierung auf Polizei_und_Protest und Verwaltungsethik anführen.
- Makroebene: Polizeiethik lässt sich schließlich verstehen als Gesellschafts- oder Sozialethik. Der Fokus liegt dann auf der politischen Einordnung der Polizei als Teil der Gesellschaft.
Gewalt als zentrales Thema
Rafael Behr hält Gewalt für das zentrale Thema der polizeilichen Ethik. Er schreibt (Behr 2008, L-41):
"Ethik ist eine für das polizeiliche Selbstverständnis notwendige Grundlagenwissenschaft, sie beschäftigt sich mit den Prämissen polizeilicher Gewaltanwendung, also mit dem Zentrum der Polizei, nicht mit der Peripherie.“